Wundversorgung
Wundversorgung für Praxis, Klinik und Pflege: sterile und unsterile Kompressen, Vliesstoff- und Saugkompressen, Tupfer, Schlinggazetupfer, Verbandmull, Augenverbände, Bauchtücher und Wundreinigung. Wie akute und chronische Wunden phasengerecht versorgt werden, welche Kompresse wofür passt und was beim Verbandwechsel zählt.
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Akute und chronische Wunden: zwei Wege der Versorgung
Akute Wunden wie Schnitt-, Platz- und Schürfwunden oder postoperative Wunden heilen bei sauberer Versorgung innerhalb weniger Wochen. Sie werden gereinigt, bei Bedarf verschlossen und trocken abgedeckt, damit Blutung und Sekretion aufgefangen werden und die Wunde vor Keimen geschützt ist. Chronische Wunden wie Ulcus cruris, diabetischer Fuß und Dekubitus heilen nicht in der erwarteten Zeit, weil eine Grunderkrankung die Heilung behindert. Die S3-Leitlinie zur Lokaltherapie chronischer Wunden verlangt deshalb zuerst die Behandlung der Ursache, etwa Kompression bei venöser Insuffizienz oder Druckentlastung beim diabetischen Fuß, und dann die feuchte, phasengerechte Wundbehandlung.
Für das Material heißt das: Die Produkte dieser Kategorie, Kompressen, Tupfer, Mull und Wundreinigung, sind die Grundlage jeder Wundversorgung. Für chronische Wunden kommen hydroaktive Auflagen aus den Kategorien Wundauflagen, Schaumverbände, Hydrokolloidverbände und Alginatkompressen hinzu.
Kompressen im Vergleich: Mull, Vlies, Saugkompresse
- Mullkompressen aus Baumwolle, 8- bis 16-fach gelegt, sind luftdurchlässig, saugfähig und günstig. Sie eignen sich zum Abdecken, Tamponieren, Reinigen und Tupfen. Auf nässenden Wunden können sie verkleben.
- Vliesstoffkompressen aus Viskose und Polyester fusseln nicht, sind weicher und nehmen mehr Flüssigkeit je Gramm auf. Sie sind heute die Standardkompresse für Wundabdeckung und Reinigung.
- Saugkompressen mit Zellstoffkern und Vlieshülle nehmen große Mengen Exsudat auf und polstern; sie werden als Sekundärverband auf stark nässenden und postoperativen Wunden eingesetzt.
- Schlinggazetupfer, Tupfer und Bauchtücher mit Röntgenkontrastfaden gehören in den OP und in die kleine Chirurgie.
- Augenverbände als ovale, weiche Kompressen decken das Auge nach Untersuchung oder Eingriff ab.
Steril auf die Wunde, unsteril zum Polstern und Reinigen der Umgebung: Diese Regel bestimmt das Verhältnis der Packungsformen im Bestand.
Wundreinigung und Antiseptik
Vor jeder Beurteilung und jedem Verbandwechsel wird die Wunde gereinigt. Für akute Wunden genügt die Spülung mit steriler Kochsalz- oder Ringerlösung, für chronische Wunden werden Wundspüllösungen mit Polyhexanid oder Octenidin eingesetzt, die Beläge lösen und die Keimlast senken. Die Leitlinie empfiehlt, Antiseptika zeitlich begrenzt und gezielt bei kritischer Kolonisation oder Infektion zu verwenden, nicht dauerhaft.
Mechanisch wird mit sterilen Kompressen, Tupfern oder Wundreinigungspads gereinigt, Nekrosen und Beläge werden vom Arzt oder von qualifiziertem Wundpersonal abgetragen. Nach der Reinigung folgt die Wundbeurteilung mit Dokumentation von Größe, Wundgrund, Rand, Exsudat und Umgebung, wie sie der Expertenstandard zur Pflege von Menschen mit chronischen Wunden vorsieht.
Verbandwechsel: Hygiene und Technik
Der Verbandwechsel folgt der Non-Touch-Technik: Händedesinfektion, unsterile Handschuhe zum Entfernen des alten Verbands, erneute Händedesinfektion, sterile Instrumente oder sterile Handschuhe zum Anlegen der neuen Auflage, die Wundfläche wird nicht berührt. Für postoperative Wunden gibt die KRINKO-Empfehlung zur Prävention postoperativer Wundinfektionen vor, dass der Erstverband 24 bis 48 Stunden bleiben kann und dann unter aseptischen Bedingungen gewechselt wird.
Das Material liegt vor Beginn vollständig bereit: sterile Kompressen in der benötigten Größe, Spüllösung, Auflage, Fixierung, Abwurf. Angebrochene Mehrfachpackungen steriler Kompressen gelten nach dem Öffnen als unsteril. Wundauflagen werden nach Herstellerangabe und Wundzustand gewechselt, nicht nach starrem Kalender; ein durchfeuchteter oder verrutschter Verband wird sofort erneuert.
Verordnung und Erstattung
Kompressen, Mull und Tupfer sind Verbandmittel nach der Arzneimittel-Richtlinie und für Patienten auf Kassenrezept verordnungsfähig, für die Praxis werden sie als Praxisbedarf oder, je nach Vereinbarung der Kassenärztlichen Vereinigung, als Sprechstundenbedarf bezogen. Wundspüllösungen und Antiseptika sind Arzneimittel oder Medizinprodukte mit eigenen Regeln. Die Versorgung chronischer Wunden zu Hause ist Behandlungspflege nach der Häuslichen Krankenpflege-Richtlinie und spezialisierten Leistungserbringern vorbehalten.
Bestand und Bestellung
Ein Praxisstandard umfasst sterile Vlieskompressen in 7,5 x 7,5 und 10 x 10 cm, unsterile Vlieskompressen im Spender, Mullkompressen für Tamponaden, Saugkompressen in 10 x 20 cm, Tupfer, eine Spüllösung und Fixiermaterial. Sterile Einzelpackungen halten sich bei trockener Lagerung mehrere Jahre, Spenderboxen werden nach Verbrauch nachbestellt. Für Pflegedienste, Wundzentren und Kliniken erstellen wir Angebote mit Rahmenmengen, Lieferung auf Rechnung.
Häufige Fragen aus Praxis und Klinik
Mullkompresse oder Vlieskompresse?
Vlieskompressen fusseln nicht, saugen mehr und sind weicher, deshalb Standard für Abdeckung und Reinigung. Mullkompressen bleiben für Tamponaden und überall dort, wo die Baumwollstruktur gewünscht ist.
Wann müssen Kompressen steril sein?
Bei jedem Kontakt mit der Wundfläche: Abdecken, Tamponieren, Reinigen der Wunde. Zum Polstern, Fixieren und Reinigen der Wundumgebung reichen unsterile Kompressen.
Womit wird eine Wunde gespült?
Akute Wunden mit steriler Kochsalz- oder Ringerlösung. Chronische und belegte Wunden mit Wundspüllösungen auf Polyhexanid- oder Octenidinbasis, Antiseptika nur gezielt und zeitlich begrenzt.
Wie oft wird ein Wundverband gewechselt?
Nach Wundzustand und Herstellerangabe, nicht nach festem Kalender. Postoperative Erstverbände bleiben 24 bis 48 Stunden, hydroaktive Auflagen mehrere Tage; durchfeuchtete oder verrutschte Verbände werden sofort erneuert.
Was gehört zur Wunddokumentation?
Lokalisation, Größe und Tiefe, Wundgrund, Wundrand, Exsudat, Geruch, Umgebungshaut, Schmerz und die verwendeten Produkte, bei chronischen Wunden mit Foto und Datum, wie es der Expertenstandard vorsieht.
Was ist ein Bauchtuch mit Röntgenkontrastfaden?
Ein großes, mehrlagiges Mulltuch für den OP, dessen eingewebter Kontrastfaden es im Röntgenbild sichtbar macht. Es dient zum Abdecken, Abstopfen und Auffangen im Operationsgebiet und wird gezählt.
Quellen
- AWMF S3-Leitlinie 091-001 Lokaltherapie schwerheilender und/oder chronischer Wunden
- KRINKO: Prävention postoperativer Wundinfektionen (RKI, Bundesgesundheitsblatt 4/2018)
- KRINKO: Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens (RKI, 2016)
- DNQP: Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Verbandmittel und sonstige Produkte zur Wundbehandlung














