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Wundversorgung

Wundversorgung für Praxis, Klinik und Pflege: sterile und unsterile Kompressen, Vliesstoff- und Saugkompressen, Tupfer, Schlinggazetupfer, Verbandmull, Augenverbände, Bauchtücher und Wundreinigung. Wie akute und chronische Wunden phasengerecht versorgt werden, welche Kompresse wofür passt und was beim Verbandwechsel zählt.

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Akute und chronische Wunden: zwei Wege der Versorgung

Akute Wunden wie Schnitt-, Platz- und Schürfwunden oder postoperative Wunden heilen bei sauberer Versorgung innerhalb weniger Wochen. Sie werden gereinigt, bei Bedarf verschlossen und trocken abgedeckt, damit Blutung und Sekretion aufgefangen werden und die Wunde vor Keimen geschützt ist. Chronische Wunden wie Ulcus cruris, diabetischer Fuß und Dekubitus heilen nicht in der erwarteten Zeit, weil eine Grunderkrankung die Heilung behindert. Die S3-Leitlinie zur Lokaltherapie chronischer Wunden verlangt deshalb zuerst die Behandlung der Ursache, etwa Kompression bei venöser Insuffizienz oder Druckentlastung beim diabetischen Fuß, und dann die feuchte, phasengerechte Wundbehandlung.

Für das Material heißt das: Die Produkte dieser Kategorie, Kompressen, Tupfer, Mull und Wundreinigung, sind die Grundlage jeder Wundversorgung. Für chronische Wunden kommen hydroaktive Auflagen aus den Kategorien Wundauflagen, Schaumverbände, Hydrokolloidverbände und Alginatkompressen hinzu.

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Wundreinigung und Antiseptik

Vor jeder Beurteilung und jedem Verbandwechsel wird die Wunde gereinigt. Für akute Wunden genügt die Spülung mit steriler Kochsalz- oder Ringerlösung, für chronische Wunden werden Wundspüllösungen mit Polyhexanid oder Octenidin eingesetzt, die Beläge lösen und die Keimlast senken. Die Leitlinie empfiehlt, Antiseptika zeitlich begrenzt und gezielt bei kritischer Kolonisation oder Infektion zu verwenden, nicht dauerhaft.

Mechanisch wird mit sterilen Kompressen, Tupfern oder Wundreinigungspads gereinigt, Nekrosen und Beläge werden vom Arzt oder von qualifiziertem Wundpersonal abgetragen. Nach der Reinigung folgt die Wundbeurteilung mit Dokumentation von Größe, Wundgrund, Rand, Exsudat und Umgebung, wie sie der Expertenstandard zur Pflege von Menschen mit chronischen Wunden vorsieht.

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Verordnung und Erstattung

Kompressen, Mull und Tupfer sind Verbandmittel nach der Arzneimittel-Richtlinie und für Patienten auf Kassenrezept verordnungsfähig, für die Praxis werden sie als Praxisbedarf oder, je nach Vereinbarung der Kassenärztlichen Vereinigung, als Sprechstundenbedarf bezogen. Wundspüllösungen und Antiseptika sind Arzneimittel oder Medizinprodukte mit eigenen Regeln. Die Versorgung chronischer Wunden zu Hause ist Behandlungspflege nach der Häuslichen Krankenpflege-Richtlinie und spezialisierten Leistungserbringern vorbehalten.

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Häufige Fragen aus Praxis und Klinik

Mullkompresse oder Vlieskompresse?

Vlieskompressen fusseln nicht, saugen mehr und sind weicher, deshalb Standard für Abdeckung und Reinigung. Mullkompressen bleiben für Tamponaden und überall dort, wo die Baumwollstruktur gewünscht ist.

Wann müssen Kompressen steril sein?

Bei jedem Kontakt mit der Wundfläche: Abdecken, Tamponieren, Reinigen der Wunde. Zum Polstern, Fixieren und Reinigen der Wundumgebung reichen unsterile Kompressen.

Womit wird eine Wunde gespült?

Akute Wunden mit steriler Kochsalz- oder Ringerlösung. Chronische und belegte Wunden mit Wundspüllösungen auf Polyhexanid- oder Octenidinbasis, Antiseptika nur gezielt und zeitlich begrenzt.

Wie oft wird ein Wundverband gewechselt?

Nach Wundzustand und Herstellerangabe, nicht nach festem Kalender. Postoperative Erstverbände bleiben 24 bis 48 Stunden, hydroaktive Auflagen mehrere Tage; durchfeuchtete oder verrutschte Verbände werden sofort erneuert.

Was gehört zur Wunddokumentation?

Lokalisation, Größe und Tiefe, Wundgrund, Wundrand, Exsudat, Geruch, Umgebungshaut, Schmerz und die verwendeten Produkte, bei chronischen Wunden mit Foto und Datum, wie es der Expertenstandard vorsieht.

Was ist ein Bauchtuch mit Röntgenkontrastfaden?

Ein großes, mehrlagiges Mulltuch für den OP, dessen eingewebter Kontrastfaden es im Röntgenbild sichtbar macht. Es dient zum Abdecken, Abstopfen und Auffangen im Operationsgebiet und wird gezählt.

Quellen

  1. AWMF S3-Leitlinie 091-001 Lokaltherapie schwerheilender und/oder chronischer Wunden
  2. KRINKO: Prävention postoperativer Wundinfektionen (RKI, Bundesgesundheitsblatt 4/2018)
  3. KRINKO: Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens (RKI, 2016)
  4. DNQP: Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden
  5. Gemeinsamer Bundesausschuss: Verbandmittel und sonstige Produkte zur Wundbehandlung