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Verbandmittel

Verbandmittel für Praxis, Klinik und Pflege: Mullbinden, Fixierbinden, Haftbinden, elastische und Kompressionsbinden, Schlauchverbände, Verbandtücher, Fingerverbände und Orthesen. Welche Binde wofür passt, was auf Kassenrezept verordnungsfähig ist und worauf es bei Kompression ankommt.

Die wichtigsten Kategorien

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Binden und Verbände nach Funktion

Binden erfüllen drei Aufgaben: Sie fixieren Wundauflagen, sie stützen und komprimieren Gelenke und Gewebe, oder sie polstern. Danach richtet sich die Auswahl.

Kompressen, Wundauflagen und Pflaster stehen in den Nachbarkategorien des Bereichs Verbandstoffe.

Mullbinden ansehen

Fixierbinden: Mull, Vlies, kohäsiv

Die klassische Mullbinde aus Baumwolle ist luftdurchlässig, gut zu wickeln und günstig, franst aber und hält an konischen Körperstellen weniger gut. Elastische Fixierbinden aus Vlies oder Mischgewebe passen sich der Kontur an, rutschen weniger und sind heute der Standard für die Fixierung von Wundauflagen an Extremitäten und Rumpf. Kohäsive Binden haften auf sich selbst, nicht auf Haut oder Haaren, brauchen keine Klammern oder Pflaster und eignen sich für Gelenke und behaarte Regionen; sie sind auch nach Blutentnahmen und in der Tiermedizin verbreitet.

Die Breite richtet sich nach der Körperregion: 4 cm für Finger, 6 cm für Hand und Unterarm, 8 cm für Arm und Unterschenkel, 10 bis 12 cm für Oberschenkel und Rumpf. Schlauch- und Netzverbände ersetzen das Wickeln an Kopf, Fingern und Gelenken und halten Auflagen ohne Zug.

Kohäsive Fixierbinden (Haftbinden) ansehen

Orthesen und Stützverbände

Orthesen für Handgelenk und Sprunggelenk stabilisieren nach Distorsionen, bei Überlastung und postoperativ, ohne die Beweglichkeit vollständig aufzuheben. Sie werden nach Umfangsmaß gewählt und über Klettverschlüsse angepasst; konfektionierte Orthesen sind Hilfsmittel nach Hilfsmittelverzeichnis und für Patienten auf Rezept erhältlich, für die Praxis werden sie als Bedarf für die Erstversorgung bevorratet. Idealbinden aus Baumwolle mit hoher Dehnung eignen sich für Stützverbände an Knie, Ellenbogen und Sprunggelenk, die nach Wunsch angelegt und wieder gelöst werden.

Orthesen ansehen

Häufige Fragen aus Praxis und Klinik

Was ist der Unterschied zwischen Mullbinde und Fixierbinde?

Die Mullbinde besteht aus gewebter Baumwolle und ist kaum elastisch. Die Fixierbinde aus Vlies oder Mischgewebe ist dehnbar, passt sich der Körperkontur an und hält Wundauflagen an Gelenken und konischen Stellen sicherer.

Wann Kurzzug-, wann Langzugbinde?

Kurzzugbinden für die Entstauung bei venösen Erkrankungen und Ödemen, sie erzeugen hohen Arbeits- und niedrigen Ruhedruck und können bleiben. Langzugbinden für Stützverbände nach Verletzungen, sie halten den Druck auch in Ruhe und werden zur Nacht abgenommen.

Sind Binden auf Kassenrezept verordnungsfähig?

Ja. Binden zur Fixierung, Stabilisierung und Kompression sind Verbandmittel nach Abschnitt P der Arzneimittel-Richtlinie und zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnungsfähig, ohne Festbetrag und unter dem Wirtschaftlichkeitsgebot.

Was bedeutet kohäsiv bei Binden?

Kohäsive Binden haften nur auf sich selbst, nicht auf Haut, Haaren oder Kleidung. Sie brauchen keine Klammern und lösen sich ohne Rückstände, ideal für Gelenke, behaarte Hautpartien und nach Blutentnahmen.

Welche Bindenbreite für welche Körperregion?

4 cm für Finger, 6 cm für Hand und Unterarm, 8 cm für Arm und Unterschenkel, 10 bis 12 cm für Oberschenkel und Rumpf. Für den Kopf eignen sich Schlauch- und Netzverbände.

Wann darf keine Kompression angelegt werden?

Bei fortgeschrittener peripherer arterieller Verschlusskrankheit, dekompensierter Herzinsuffizienz, akuter Infektion der Extremität und unklarer Durchblutung. Vor jeder Kompressionstherapie wird die arterielle Durchblutung geprüft.

Quellen

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss: Verbandmittel und sonstige Produkte zur Wundbehandlung (Arzneimittel-Richtlinie Abschnitt P, Anlage Va)
  2. KV Bayerns: Verordnung von Verbandmitteln
  3. KV Niedersachsen: Verbandmittel, Verordnung und Übergangsregelung
  4. AWMF S3-Leitlinie 091-001 Lokaltherapie schwerheilender und/oder chronischer Wunden
  5. GKV-Spitzenverband: Hilfsmittelverzeichnis (Orthesen und Bandagen)
  6. BAuA: ASR A4.3 Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe