Lagerung und Fixierung
Lagerung und Fixierung für Pflege, Klinik und Praxis: Lagerungshilfen und Lagerungskissen, Halbrollen, Knie- und Nackenrollen, Fußmanschetten, Schaumstoffkissen und Patientenfixierung. Wie Lagerung Dekubitus vorbeugt, welche Hilfen wofür passen und unter welchen Voraussetzungen Fixierungen zulässig sind.
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Lagerungshilfen nach Zweck
- Lagerungshilfen und Lagerungskissen: Positionierung in Seiten-, Rücken- und Bauchlage, Freilagerung gefährdeter Stellen, Stabilisierung der 30-Grad-Seitenlage.
- Halbrollen, Knie- und Nackenrollen: Entlastung von Lendenwirbelsäule, Knie und Nacken in Rückenlage, mit waschbaren Nackenrollenbezügen.
- Fußmanschetten und Fußhalterungen: Spitzfußprophylaxe und Positionierung der Füße.
- Schaumstoffkissen und Keile: Unterstützung und Abpolsterung.
- Patientenfixierung: Bauchgurte, Hand- und Fußfixierungen und Sitzhosen für Situationen mit rechtlicher Grundlage.
Röntgen- und OP-Lagerungshilfen für Praxen finden Sie unter Praxisausstattung, Matratzen und Wechseldrucksysteme im Bereich Pflegebedarf.
Dekubitusprophylaxe: Bewegung vor Material
Der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege stellt die Bewegungsförderung und den regelmäßigen Positionswechsel in den Mittelpunkt; druckverteilende Hilfsmittel ergänzen sie. Nach Einschätzung des individuellen Risikos legt die Pflegefachkraft Intervalle und Positionen fest und dokumentiert sie im Bewegungsplan.
Lagerungskissen leisten dabei drei Dinge: Sie stabilisieren die 30-Grad-Schräglage, die Kreuzbein und Trochanter entlastet, sie lagern Fersen frei, indem der Unterschenkel ganzflächig aufliegt, und sie polstern Knochenvorsprünge ab. Mikrolagerung mit kleinen Kissen unter Becken und Schulter verändert Druckpunkte auch dort, wo große Umlagerungen nicht möglich sind. Was nicht hilft: Fellunterlagen, Wasserkissen unter der Ferse und Ringkissen, die den Druck am Rand erhöhen.
Material, Bezüge und Hygiene
Lagerungskissen gibt es mit Schaumstoffkern, Mikroperlenfüllung, Hohlfasern oder Gel. Mikroperlen passen sich der Körperform an und halten die Position, Schaumstoff ist formstabil und günstig, Gel verteilt Druck auf kleinen Flächen. Die Hülle entscheidet über die Hygiene: Bezüge aus Polyurethan-beschichtetem Gewebe sind flüssigkeitsdicht, atmungsaktiv und wischdesinfizierbar, Baumwollbezüge werden bei 60 bis 95 °C gewaschen. In Einrichtungen mit mehreren Nutzern werden Kissen mit desinfizierbarer Hülle und Wechselbezügen eingesetzt.
Lagerungshilfen in Klinik und Pflege sind Medizinprodukte der Klasse I mit CE-Kennzeichnung; Hersteller geben Belastbarkeit, Aufbereitung und Lebensdauer an. Kissen mit verhärtetem Kern, beschädigter Hülle oder Geruch werden ausgetauscht.
Fixierung: nur mit rechtlicher Grundlage
Bauchgurte, Bettgitter, Hand- und Fußfixierungen und Sitzhosen sind freiheitsentziehende Maßnahmen. Sie dürfen nur mit wirksamer Einwilligung der betroffenen Person oder mit Genehmigung des Betreuungsgerichts nach § 1831 des Bürgerlichen Gesetzbuchs eingesetzt werden, wenn sie zum Wohl der Person erforderlich sind, weil andernfalls eine erhebliche Gefahr für Leben oder Gesundheit besteht, und wenn mildere Mittel ausgeschöpft sind. Die Maßnahme wird angeordnet, zeitlich befristet, engmaschig überwacht und dokumentiert.
Vor jeder Fixierung stehen Alternativen: Niedrigbetten, Sensormatten, Bewegungsmelder, Hüftprotektoren, Sturzprophylaxe nach Expertenstandard, Anpassung von Medikation und Tagesstruktur. Wird fixiert, dann nur mit Systemen, die als Medizinprodukt für den Zweck vorgesehen sind, nach Herstellerangabe angelegt und regelmäßig gelöst; die überwachende Person bleibt in Sicht- und Rufweite.
Bedarf und Bestellung
Eine Pflegeeinrichtung hält je Wohnbereich Lagerungskissen in mehreren Formen und Größen, Fersenschoner, Keile und Halbrollen mit Wechselbezügen vor; für Menschen mit hohem Dekubitusrisiko kommen Wechseldruck- oder Weichlagerungssysteme dazu. Pflegehilfsmittel zur Lagerung werden bei häuslicher Pflege von der Pflegekasse nach § 40 SGB XI leihweise oder gegen Zuzahlung gestellt. Für Heime, Kliniken und Pflegedienste stellen wir Sortimente zusammen und liefern auf Rechnung; Maße, Belastbarkeit und Aufbereitungshinweise stehen am Artikel.
Häufige Fragen aus Praxis und Klinik
Welches Lagerungskissen gegen Dekubitus?
Keile und Rollen für die 30-Grad-Seitenlage, Unterschenkelkissen für die Fersenfreilagerung, kleine Kissen für die Mikrolagerung. Entscheidend ist der Bewegungsplan, das Kissen unterstützt ihn.
Sind Ringkissen und Felle sinnvoll?
Nein. Ringkissen erhöhen den Druck am Rand der Auflagefläche, Felle und Wasserkissen unter der Ferse verteilen den Druck nicht. Der Expertenstandard rät von beidem ab.
Wann darf ein Bauchgurt eingesetzt werden?
Nur mit Einwilligung der Person oder Genehmigung des Betreuungsgerichts nach § 1831 BGB, bei erheblicher Gefahr für Leben oder Gesundheit und wenn mildere Mittel nicht ausreichen, befristet, überwacht und dokumentiert.
Ist ein Bettgitter eine Fixierung?
Ja, wenn die Person es nicht selbst öffnen kann oder dadurch am Verlassen des Betts gehindert wird. Dann gelten dieselben rechtlichen Voraussetzungen wie für Gurte.
Wie werden Lagerungskissen gereinigt?
Kissen mit beschichteter Hülle werden wischdesinfiziert, Baumwollbezüge bei 60 bis 95 °C gewaschen. Kerne werden nach Herstellerangabe aufbereitet, verhärtete oder beschädigte Kissen ersetzt.
Zahlt die Pflegekasse Lagerungshilfen?
Bei Pflegegrad und häuslicher Pflege als technische Pflegehilfsmittel nach § 40 SGB XI, vorrangig leihweise, sonst mit Zuzahlung von zehn Prozent, höchstens 25 Euro.
Quellen
- DNQP: Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege
- § 1831 BGB Freiheitsentziehende Unterbringung und freiheitsentziehende Maßnahmen, gesetze-im-internet.de
- § 40 SGB XI Pflegehilfsmittel, gesetze-im-internet.de
- GKV-Spitzenverband: Hilfsmittel- und Pflegehilfsmittelverzeichnis
- Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte (MDR), EUR-Lex











