Instrumente
Chirurgische und medizinische Instrumente für Praxis, Klinik und Pflege: Scheren, Pinzetten, Klemmen, Nadelhalter, Sterilisationsbedarf und OP-Zubehör. Einmal oder Mehrweg, wie Instrumente nach KRINKO aufbereitet werden und worauf es bei Stahl, Kennzeichnung und Pflege ankommt.
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Instrumentengruppen und ihre Aufgaben
Chirurgische Instrumente werden nach Funktion eingeteilt. Das erleichtert die Auswahl für Praxis, Ambulanz und OP.
- Schneiden: chirurgische Scheren spitz oder stumpf, Präparierscheren nach Metzenbaum, Verbandscheren, Skalpelle und Einmalklingen.
- Fassen: anatomische und chirurgische Pinzetten, Adson- und Splitterpinzetten, Kornzangen.
- Klemmen: Arterienklemmen nach Pean, Kocher und Halsted, Tuchklemmen, Schlauchklemmen.
- Nähen: Nadelhalter nach Mayo-Hegar und Mathieu, Nahtmaterial und Klammerentferner.
- Halten und Spreizen: Wundhaken, Spekula, Sperrer.
- Sonstige: Kürette, Sonde, Löffel, Ringkürette für die kleine Chirurgie und Dermatologie.
Das komplette Instrumentarium steht mit über 300 Instrumenten bereit, dazu OP-Bedarf wie Skalpellklingen, Nahtmaterial und Abdeckung, Sterilisation mit Verpackung, Indikatoren und Autoklavenzubehör, HF-Elektroden für die Elektrochirurgie, Instrumentenkennzeichnung und Blutsperre.
Einmal- oder Mehrweginstrumente
Mehrweginstrumente aus rostfreiem Instrumentenstahl halten bei richtiger Pflege Jahrzehnte und bieten die beste Schneid- und Fassqualität. Sie lohnen sich überall dort, wo regelmäßig operiert oder versorgt wird und eine validierte Aufbereitung vorhanden ist. Ihre Kosten liegen in der Anschaffung und in der Aufbereitung: Reinigung, Desinfektion, Pflege, Verpackung, Sterilisation, Dokumentation.
Einmalinstrumente aus Edelstahl oder Kunststoff kommen steril verpackt und werden nach Gebrauch entsorgt. Sie eignen sich für Praxen mit geringem Instrumentenaufkommen, für die Wund- und Fadenversorgung, für Pflege und Hausbesuch und für Situationen, in denen die Aufbereitung nicht gesichert ist. Der Preis je Anwendung ist höher, der Aufwand dafür null. Wer die Kosten vergleicht, rechnet die Aufbereitung je Sieb mit Personalzeit, Verbrauchsmaterial und Gerätewartung gegen.
Viele Praxen fahren zweigleisig: Mehrweg für die Standardeingriffe, sterile Einmalsets für Fadenzug, Abszessspaltung und die Notfalltasche.
Aufbereitung nach KRINKO und BfArM
Die Medizinprodukte-Betreiberverordnung verlangt in § 8, dass Instrumente mit validierten Verfahren so aufbereitet werden, dass die Sicherheit von Patienten und Anwendern gewährleistet ist. Die Aufbereitung gilt als ordnungsgemäß, wenn die gemeinsame Empfehlung von KRINKO und BfArM beachtet wird. Sie teilt Medizinprodukte nach Risiko ein: unkritisch bei Kontakt mit intakter Haut, semikritisch bei Kontakt mit Schleimhaut oder krankhaft veränderter Haut, kritisch bei Durchdringung von Haut oder Schleimhaut. Innerhalb der Gruppen unterscheidet sie A für Produkte ohne besondere Anforderungen und B für solche mit erhöhten Anforderungen, etwa Hohlräume und Gelenke.
Chirurgische Instrumente sind kritisch: Nach der Anwendung folgen Vorreinigung, maschinelle oder manuelle Reinigung und Desinfektion, Prüfung auf Sauberkeit und Funktion, Pflege der Gelenke, Verpackung nach DIN EN ISO 11607 und Dampfsterilisation im Autoklaven. Kritisch B, also Instrumente mit Lumen oder schwer zugänglichen Stellen, verlangen die maschinelle Aufbereitung im Reinigungs- und Desinfektionsgerät. Jeder Schritt wird dokumentiert, die Sterilisation mit Chargenindikatoren und Prozessprotokoll.
Der Arbeitskreis Instrumenten-Aufbereitung beschreibt in seiner Roten Broschüre die werterhaltende Aufbereitung im Detail, von der Wasserqualität bis zur Fehlerdiagnose bei Verfärbungen und Korrosion.
Qualität erkennen: Stahl, Verarbeitung, Kennzeichnung
Gute Instrumente bestehen aus rostfreiem, gehärtetem Instrumentenstahl, sind spiegelnd oder matt satiniert und zeigen keine Schleifspuren, Grate oder Farbunterschiede. Scheren schließen über die gesamte Schneide ohne Spiel und schneiden auch an der Spitze sauber, Klemmen rasten hörbar in jeder Stufe, Pinzetten schließen mit den Spitzen zuerst. Instrumente mit Hartmetalleinlagen (goldene Ringe) halten die Schneide länger und eignen sich für Praxen mit hohem Durchsatz.
Herstellungsort und Hersteller stehen auf dem Instrument, dazu die CE-Kennzeichnung nach Medizinprodukteverordnung. Wiederverwendbare Instrumente tragen zunehmend eine UDI-Kennzeichnung direkt auf dem Produkt, die die Rückverfolgung über die gesamte Nutzungsdauer erlaubt. Für die Praxisorganisation sind Farbcodierungen mit Instrumentenringen, Kennzeichnungsband und Gravur nützlich: Siebe bleiben vollständig, Instrumente wandern nicht zwischen Räumen.
Sterilisation und OP-Bedarf
Zur Aufbereitung gehören Sterilisationsverpackungen wie Klarsichtbeutel und Rollenware, Sterilisationspapier und Vlies, Container mit Filtern, Siebkörbe und Instrumententrays. Chemische Indikatoren auf Verpackung und Bowie-Dick-Tests für den Autoklaven belegen den Prozess, ein Siegelgerät mit Prüfung der Naht schließt die Beutel. Die Normenreihe DIN 58953 beschreibt die Sterilgutversorgung von der Verpackung bis zur Logistik und Lagerung.
OP-Bedarf umfasst Skalpellklingen und -griffe, Nahtmaterial, sterile Abdeckungen und Sets, Blutsperren mit Manschette und Gerät, HF-Elektroden und Neutralelektroden für die Elektrochirurgie. Bei HF-Zubehör zählt die Kompatibilität mit dem Gerät des Herstellers, bei Nahtmaterial Fadenstärke, Resorbierbarkeit und Nadelform.
Bestellung, Muster und Ersatz
Bei Instrumenten entscheidet die Hand: Vor der Bestellung ganzer Siebe lohnt ein Muster, vor allem bei Scheren und Nadelhaltern. Ersatz einzelner Instrumente ist jederzeit möglich, weil die Standardformen nach Namen und Länge genormt sind. Für Praxisgründung, Praxisübernahme und die Einrichtung eines Eingriffsraums stellen wir Siebe nach Fachrichtung zusammen und liefern auf Rechnung. Datenblätter, Aufbereitungshinweise und Herstellerangaben finden Sie am jeweiligen Artikel.
Häufige Fragen aus Praxis und Klinik
Was bedeutet kritisch A und kritisch B bei Instrumenten?
Kritische Medizinprodukte durchdringen Haut oder Schleimhaut. Kritisch A sind Instrumente ohne besondere Anforderungen an die Aufbereitung, kritisch B solche mit Hohlräumen, Gelenken oder schwer zugänglichen Stellen; sie müssen maschinell gereinigt und desinfiziert werden.
Dürfen Einmalinstrumente aufbereitet werden?
Nein. Einmalinstrumente sind vom Hersteller für die einmalige Anwendung bestimmt und werden nach Gebrauch entsorgt. Eine Aufbereitung ist nur unter den strengen Voraussetzungen des § 8 der Betreiberverordnung mit validiertem Verfahren zulässig und in der Praxis nicht wirtschaftlich.
Woran erkenne ich ein hochwertiges Instrument?
An rostfreiem, gehärtetem Instrumentenstahl ohne Grate, sauber schließenden Schneiden und Maulflächen, hörbar rastenden Sperren, Hersteller- und CE-Kennzeichnung. Hartmetalleinlagen an Scheren und Nadelhaltern erhöhen die Standzeit.
Wie werden Instrumente gelagert?
Sterilisierte Instrumente bleiben verpackt und trocken in geschlossenen Schränken oder Schubladen, geschützt vor Staub und Licht. Die Lagerdauer richtet sich nach Verpackung und Lagerbedingungen nach DIN 58953-8 und wird auf der Verpackung mit Sterilisationsdatum und Ablauf vermerkt.
Welche Grundausstattung braucht eine Hausarztpraxis für kleine Eingriffe?
Chirurgische und anatomische Pinzette, spitze und stumpfe Schere, Nadelhalter, zwei Klemmen, Skalpellgriff mit Klingen, Sonde, Kürette und ein Wundhaken, dazu Nahtmaterial, sterile Abdeckung und sterile Handschuhe. Als sterile Einmalsets für Fadenzug und Wundversorgung oder als Mehrwegsieb.
Was ist bei der Instrumentenkennzeichnung erlaubt?
Farbige Kennzeichnungsringe und Kennzeichnungsband, die für die Dampfsterilisation freigegeben sind, sowie Gravur und Laserbeschriftung. Klebeetiketten und ungeeignete Farben lösen sich bei der Aufbereitung und behindern die Reinigung.
Quellen
- Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) § 8 Aufbereitung von Medizinprodukten
- KRINKO und BfArM: Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten (RKI, 2012)
- RKI: Aufbereitung von Medizinprodukten, Übersicht und Ergänzungen 2012/2024
- Arbeitskreis Instrumenten-Aufbereitung (AKI): Rote Broschüre, Instrumentenaufbereitung richtig gemacht
- DIN EN ISO 11607-1:2024-02 Verpackungen für in der Endverpackung zu sterilisierende Medizinprodukte (DIN Media)
- DIN 58953-8:2019-03 Sterilisation, Sterilgutversorgung, Logistik von sterilen Medizinprodukten (DIN Media)
- Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte (MDR), EUR-Lex














