Kanülen
Kanülen für Injektion, Punktion und Infusion: Einmalkanülen, Sicherheitskanülen, Venenverweilkanülen, Spinal- und Entnahmekanülen, Knopfkanülen, Pen-Nadeln und Portnadeln. Wie Gauge, Farbcode und Länge zusammenhängen, welche Kanüle für welche Injektion passt und was die TRBA 250 zu Sicherheitskanülen vorgibt.
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Kanülenarten und ihr Einsatz
- Einmalkanülen: die Standard-Injektionskanüle mit Luer-Ansatz für subkutane, intramuskuläre und intravenöse Injektion sowie zum Aufziehen.
- Sicherheitskanülen: Injektionskanülen mit Schutzmechanismus, der die Spitze nach Gebrauch abdeckt, gefordert durch die TRBA 250.
- Venenverweilkanülen und Sicherheitsvenenverweilkanülen: Kunststoffkatheter über Stahlmandrin für den venösen Zugang, mit oder ohne Zuspritzport.
- Entnahmekanülen mit Partikelfilter zum Aufziehen aus Ampullen und Durchstechflaschen, Knopfkanülen mit stumpfer Spitze zum Spülen und Instillieren.
- Spinalkanülen und Epiduralkanülen für die Regionalanästhesie, mit Quincke- oder Pencil-Point-Schliff.
- Pen-Nadeln und Insulinkanülen für die Insulintherapie, Intramuskulärkanülen in längerer Ausführung, Portnadeln mit Huber-Schliff für implantierte Portsysteme.
Spritzen, Infusionsbestecke und Blutentnahmesysteme finden Sie in den Nachbarkategorien des Bereichs Infusion und Injektion.
Gauge, Farbcode und Länge richtig lesen
Der Außendurchmesser einer Kanüle wird in Gauge angegeben; je höher die Zahl, desto dünner die Kanüle. Die Farbe des Kanülenansatzes ist international nach ISO 6009 genormt und erlaubt die Wahl auf einen Blick: 18 G rosa mit 1,2 mm, 20 G gelb mit 0,9 mm, 21 G grün mit 0,8 mm, 22 G schwarz mit 0,7 mm, 23 G blau mit 0,6 mm, 25 G orange mit 0,5 mm, 27 G grau mit 0,4 mm. Die Länge wird in Millimetern angegeben und nach Injektionsort und Körperbau gewählt.
Für die Praxis haben sich Standards bewährt: subkutan 25 bis 27 G mit 12 bis 16 mm, intramuskulär 21 bis 23 G mit 25 bis 40 mm, je nach Muskel und Fettgewebe, intravenös und zur Blutentnahme 20 bis 22 G, zum Aufziehen 18 G mit Filter. Sterile Einmalkanülen sind nach DIN EN ISO 7864 genormt, die Kanülenrohre nach ISO 9626; der Facettenschliff mit drei Flächen sorgt für die schmerzarme Punktion.
Sicherheitskanülen nach TRBA 250
Die Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe 250 verpflichtet Arbeitgeber im Gesundheitswesen, bei Tätigkeiten mit Verletzungs- und Infektionsgefahr sichere Instrumente einzusetzen, sofern sie verfügbar und geeignet sind. Ein Sicherheitsmechanismus muss einhändig auslösbar sein, unmittelbar nach Gebrauch wirken, dauerhaft bleiben und die Anwendung nicht beeinträchtigen. Aktive Systeme werden vom Anwender ausgelöst, etwa durch Klappen einer Schutzhülse, passive Systeme lösen beim Zurückziehen der Kanüle selbst aus.
Für Blutentnahme, Venenverweilkanülen und Lanzetten sind Sicherheitsprodukte der Regelfall, für Injektionen werden sie in der Gefährdungsbeurteilung erwartet. Wer konventionelle Kanülen weiter nutzt, muss das dort begründen. Unabhängig vom System gilt: kein Zurückstecken der Schutzkappe, Entsorgung direkt in den Abwurfbehälter am Arbeitsplatz.
Venenverweilkanülen: Größe, Port, Fixierung
Venenverweilkanülen bestehen aus einem Kunststoffkatheter aus Polyurethan oder Teflon über einem Stahlmandrin, der nach der Punktion entfernt wird. Die Größe bestimmt die Durchflussrate: 22 G für Kinder und schwierige Venen, 20 G für die Routineinfusion, 18 G und 16 G für schnelle Volumengabe und Kontrastmittel. Varianten mit Zuspritzport erlauben Injektionen ohne Diskonnektion, Ausführungen mit Flügeln erleichtern die Fixierung.
Die KRINKO-Empfehlung zur Prävention von Infektionen durch Gefäßkatheter verlangt Hautantiseptik vor der Punktion, sterile Fixierung mit transparentem Verband oder sterilem Pflaster und die tägliche Prüfung der Einstichstelle; der Wechsel erfolgt bei Bedarf, nicht nach festem Intervall. Sicherheitsvenenverweilkanülen decken den Mandrin beim Herausziehen ab und sind für Praxis und Klinik Standard.
Hygiene beim Aufziehen und Injizieren
Die KRINKO-Empfehlung zur Hygiene bei Punktionen und Injektionen gibt den Ablauf vor: Händedesinfektion, Aufziehen mit steriler Aufziehkanüle unmittelbar vor der Anwendung, Hautantiseptik mit Einwirkzeit, für jede Injektion eine neue sterile Kanüle und Spritze. Entnahmekanülen mit Partikelfilter halten Glas- und Gummipartikel aus Ampullen und Durchstechflaschen zurück. Mehrdosenbehältnisse werden nur mit neuer Kanüle angestochen und mit Anbruchdatum versehen.
Kanülen sind sterile Einmalprodukte mit Verfallsdatum, das bei trockener, staubgeschützter Lagerung meist fünf Jahre beträgt. Beschädigte Einzelverpackungen werden verworfen.
Sortiment und Bestellung
Ein Praxisstandard umfasst zwei bis drei Injektionsgrößen als Sicherheitskanüle, eine Aufziehkanüle mit Filter, Venenverweilkanülen in 20 und 22 G sowie Abwurfbehälter in zwei Größen. Kanülen werden in Kartons zu 100 Stück geliefert und sind bei größeren Mengen günstiger. Bei der Umstellung auf Sicherheitsprodukte oder beim Systemwechsel stellen wir Muster und Angebot zusammen, für Praxen, Pflegedienste und Kliniken auf Rechnung.
Häufige Fragen aus Praxis und Klinik
Welche Kanüle für die intramuskuläre Injektion?
21 bis 23 G mit 25 bis 40 mm Länge, je nach Muskel und Fettgewebe. Für den Gluteus bei kräftigen Patienten 40 mm, für den Deltoideus meist 25 mm.
Welche Kanüle für die subkutane Injektion?
25 bis 27 G mit 12 bis 16 mm Länge, bei sehr schlanken Patienten kürzer. Für Insulin werden Pen-Nadeln von 4 bis 8 mm verwendet.
Was bedeuten die Farben am Kanülenansatz?
Sie codieren den Außendurchmesser nach ISO 6009: rosa 18 G, gelb 20 G, grün 21 G, schwarz 22 G, blau 23 G, orange 25 G, grau 27 G. Die Länge steht zusätzlich auf der Packung.
Sind Sicherheitskanülen Pflicht?
Nach TRBA 250 überall dort, wo Stichverletzungen mit Infektionsgefahr drohen und geeignete Produkte verfügbar sind. Für Blutentnahme und Verweilkanülen ist das der Standard, für Injektionen ist der Verzicht in der Gefährdungsbeurteilung zu begründen.
Wozu dienen Kanülen mit Filter?
Entnahmekanülen mit Partikelfilter halten Glassplitter und Gummipartikel beim Aufziehen aus Ampullen und Durchstechflaschen zurück. Sie werden nach dem Aufziehen gegen die Injektionskanüle getauscht.
Wie lange darf eine Venenverweilkanüle liegen?
Solange sie klinisch nötig und die Einstichstelle unauffällig ist. Die KRINKO empfiehlt kein festes Wechselintervall, sondern die tägliche Kontrolle und den Wechsel bei Zeichen einer Entzündung oder Fehlfunktion.
Quellen
- BAuA: TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege
- KRINKO: Anforderungen an die Hygiene bei Punktionen und Injektionen (RKI, 2011)
- RKI: Aufbewahrung aufgezogener Medikamente und Nutzung von Mehrdosenbehältnissen
- DIN EN ISO 7864:2016-12 Sterile Einmalkanülen (DIN Media)
- RKI: Aktuelle KRINKO-Empfehlungen auf einen Blick (darunter Prävention von Infektionen, die von Gefäßkathetern ausgehen)


















