Blutentnahme
Blutentnahmesysteme für Praxis, Labor und Klinik: Blutentnahmeröhrchen mit farbcodierten Additiven, Sicherheits-Blutentnahmekanülen und Blutsenkungsständer. Vakuum oder Aspiration, welche Reihenfolge beim Füllen gilt, was die TRBA 250 verlangt und wie Präanalytik-Fehler vermieden werden.
Die wichtigsten Kategorien
Vakuum oder Aspiration: die zwei Systeme
Zwei geschlossene Systeme haben die offene Blutentnahme mit Spritze abgelöst. Vakuumsysteme arbeiten mit vorevakuierten Röhrchen, die sich nach dem Anstechen selbst füllen; der Unterdruck bestimmt das Füllvolumen. Aspirationssysteme ziehen das Blut mit einem Kolben, wahlweise auch als Vakuum nutzbar, und schonen fragile Venen. Beide Systeme sind geschlossen, das Blut kommt nicht mit der Umgebung in Kontakt und beide erfüllen mit Sicherheitskanülen die Vorgaben der TRBA 250.
Röhrchen, Halter und Kanülen eines Systems sind aufeinander abgestimmt und nicht mit anderen Herstellern kombinierbar. Die Entscheidung für ein System hängt vom Facharztlabor ab, das die Röhrchen für seine Analysegeräte vorgibt, und von den Gewohnheiten des Teams.
Röhrchen und Farbcodes
Der Deckel zeigt das Additiv an: Serum mit Gerinnungsaktivator und Trenngel, EDTA für Blutbild und HbA1c, Citrat für Gerinnung und Blutsenkung, Lithium-Heparin für die klinische Chemie, Fluorid für Glukose und Laktat. Die Farbzuordnung unterscheidet sich zwischen den Herstellern; die Übersicht des Labors oder des Herstellers hängt am Entnahmeplatz.
Die Reihenfolge der Entnahme verhindert, dass Additive verschleppt werden: Blutkultur zuerst, dann Citrat, Serum, Heparin, EDTA, Fluorid. Citratröhrchen müssen exakt bis zur Markierung gefüllt sein, weil das Mischungsverhältnis das Gerinnungsergebnis bestimmt. Alle Röhrchen werden nach der Entnahme sofort mehrfach geschwenkt, nie geschüttelt, und stehend gelagert. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt in ihrer Leitlinie zur Blutentnahme die Technik von der Vorbereitung bis zur Entsorgung.
Sicherheit nach TRBA 250
Die Blutentnahme ist die häufigste Quelle von Nadelstichverletzungen. Die TRBA 250 verlangt sichere Instrumente, wo sie verfügbar sind: Blutentnahmekanülen mit Schutzmechanismus, der die Nadel nach dem Entfernen abdeckt, Flügelkanülen mit Sicherheitsschild, Einmalhalter. Der Schutz wird mit einer Hand aktiviert, die Kanüle kommt direkt in den Abwurfbehälter am Entnahmeplatz. Die Umstellung auf Sicherheitsprodukte ist in der Gefährdungsbeurteilung zu dokumentieren.
Die KRINKO-Empfehlung zur Hygiene bei Punktionen gilt auch für die Blutentnahme: Händedesinfektion, Hautantiseptik der Punktionsstelle mit Einwirkzeit, keine Berührung der desinfizierten Stelle, Handschuhe für den Anwender, Stauung nicht länger als eine Minute.
Präanalytik: Fehler vermeiden
Die meisten Laborfehler entstehen vor der Analyse. Hämolyse durch zu dünne Kanülen, zu starkes Aspirieren oder Schütteln verfälscht Kalium und Enzyme; zu lange Stauung erhöht Eiweiß und Zellwerte; falsche Reihenfolge verschleppt EDTA in Serumröhrchen und verfälscht Calcium. Die Identifikation des Patienten und die Beschriftung der Röhrchen vor der Entnahme sind Pflicht.
Nach der Entnahme richten sich Lagerung und Transport nach der Vorgabe des Labors: Serum nach Gerinnung zentrifugieren, Blutbild bei Raumtemperatur, bestimmte Parameter gekühlt oder lichtgeschützt. Blutsenkungsständer halten Citratröhrchen für die Senkung senkrecht und ermöglichen die Ablesung nach einer Stunde.

Ausstattung des Entnahmeplatzes
Ein Entnahmeplatz braucht einen Blutentnahmestuhl mit Armauflage oder eine Liege, Stauschlauch, Hautantiseptikum, Tupfer, Pflaster, Handschuhe, das Röhrchensortiment mit Ständer, Sicherheitskanülen mit Halter, Abwurfbehälter und die Übersicht über Farbcodes und Reihenfolge. Röhrchen tragen ein Verfallsdatum, weil Vakuum und Additive altern; sie werden nach Verbrauch bestellt und nicht über Jahre bevorratet.
Beim Wechsel des Blutentnahmesystems stellen wir Muster, Übersichtskarten und ein Angebot zusammen, für Praxen, Labore und Kliniken auf Rechnung.
Häufige Fragen aus Praxis und Klinik
Vakuum- oder Aspirationssystem?
Beide sind geschlossene, sichere Systeme. Vakuum ist schnell und standardisiert, Aspiration schont schwierige Venen und erlaubt die Kontrolle des Sogs. Das Facharztlabor gibt vor, welche Röhrchen es verarbeitet.
In welcher Reihenfolge werden die Röhrchen gefüllt?
Blutkultur, Citrat, Serum, Heparin, EDTA, Fluorid. So werden Additive nicht in nachfolgende Röhrchen verschleppt.
Warum muss das Citratröhrchen genau gefüllt sein?
Das Verhältnis von Blut zu Citrat bestimmt das Gerinnungsergebnis. Ein unterfülltes Röhrchen verlängert die Gerinnungszeiten und liefert falsche Werte.
Welche Kanülengröße für die Blutentnahme?
20 bis 22 G. Dünnere Kanülen erhöhen das Hämolyserisiko, Flügelkanülen in 21 bis 23 G sind für schwierige Venen und Kinder geeignet.
Wie lange darf gestaut werden?
Höchstens eine Minute. Längere Stauung erhöht Eiweiß, Kalium und Zellwerte und verfälscht das Ergebnis.
Wie lange sind Blutentnahmeröhrchen haltbar?
Nach Verfallsdatum auf der Packung, meist ein bis zwei Jahre. Danach lässt das Vakuum nach und Additive verlieren ihre Wirkung; abgelaufene Röhrchen werden entsorgt.
Quellen
- BAuA: TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege
- KRINKO: Anforderungen an die Hygiene bei Punktionen und Injektionen (RKI, 2011)
- WHO: Guidelines on drawing blood, best practices in phlebotomy
- Bundesärztekammer: Richtlinie zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (RiliBÄK)
- DIN EN ISO 7864:2016-12 Sterile Einmalkanülen (DIN Media)






